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30-jähriges Jubiläum Frauen- und Kinderschutzhaus

30 jähriges Jubiläum Frauen- und Kinderschutzhaus, 5 jährige Bestehen unserer Fachberatungsstelle "Häusliche Gewalt" und nebenbei gleichzeitig auch 10 jährige Gültigkeit des Gewaltschutzgesetztes zum Schutz der Frauen und Kinder vor Häuslicher Gewalt.

Eigentlich alles keine schönen Gründe, um zu feiern. Doch, denn in diesen Zeiten konnten vielen Menschen geholfen werden, sie erhielten Fürsprache, Ermutigung und Begleitung beim Begehen eines neuen Lebensweges ohne Gewalt!

Beide Einrichtungen, Frauenhaus und Fachberatungsstelle, unter Trägerschaft des Sozialdienstes katholischer Frauen, haben sich in Krefeld zu qualifizierten und anerkannten Institutionen etabliert und sind aus der Krefelder Landschaft der Hilfsorganisationen nicht mehr weg zu denken.

Bei der Gründung der ersten Frauenhäuser durch die autonome Frauenbewegung hatte man bzw. frau noch gehofft, durch Aufklärung und die Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen das „Problem“ irgendwann in den Griff zu bekommen.

Aber die Jahre haben gezeigt, dass es wohl immer Männer geben wird, die ihre Frauen schlagen, demütigen, kontrollieren oder sogar töten, also physischer, psychischer, ökonomischer und sexueller Gewalt aussetzen. Manchmal ist es auch umgekehrt  - das wollen wir nicht leugnen.

Es sind immer mehr Frauenhäuser in unterschiedlichen Trägerschaften entstanden, immer mehr Frauen mit ihren Kindern haben den Weg in solch eine geschützte Einrichtung gefunden.

So gibt es mittlerweile bundesweit ca. 350 Frauenhäuser, allein in NRW sind es 63;  ca. 40 – 45.000 Frauen mit ihren Kindern suchen jährlich ein Frauenhaus auf

Wir haben in den 30 Jahren unseres Bestehens 2607 Frauen mit 2976 Kindern aufgenommen, sowie zahlreichen ehemalige Bewohnerinnen mit fast täglichen Kontakten in der Nachgehenden Beratung geholfen.

In der Fachberatungsstelle "Häusliche Gewalt" wurden in den 5 Jahren 1400 Frauen und gelegentlich auch Männer beraten und begleitet.

Die Jahre haben aber auch gezeigt, dass die Problematik „Häusliche Gewalt“ immer mehr in den Focus der Öffentlichkeit und der Politik gerückt ist und seit nunmehr 10 Jahren Häusliche Gewalt als Straftat angezeigt und vor einem Gericht verhandelt wird,  und in Krefeld sogar die ein der ersten Sonderstaatsanwaltschaft zum Thema "Häusliche Gewalt" entstanden ist.

Dementsprechend und entsprechend der gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen haben sich die Anforderungen an unsere Arbeit erweitert  - unsere Aufgaben haben sich verändert und sind vielschichtiger geworden.

Die Anzahl der Migrantinnen in den Frauenhäusern ist enorm angestiegen. Waren es anfangs wenige Frauen mit Migrationshintergrund, die zu uns kamen, sind heute oft über 50% der Bewohnerinnen ausländischer Herkunft.

So hatten wir bis heute 934 Frauen und deren Kinder aus 76 Ländern dieser Welt zu Gast.

Wir setzen uns mit ausländerrechtlichen Fragestellungen auseinander, können uns oft nur mit wenigen Worten und sprichwörtlich nur mit Händen und Füßen verständigen, dafür umso mehr mit Zuwendung, Verständnis und Kenntnis der kulturellen Hintergründe. Wir leisten interkulturelle Arbeit und bemühen uns um Integration.

Auch suchen immer mehr junge, alleinstehende Frauen, die aus dem Elternhaus flüchten oder zwangsverheiratet werden sollen, ein Frauenhaus auf. Sie benötigen oft noch viel Unterstützung, sowohl in ihrer persönlichen Lebensführung, wie auch im Hinblick auf Schul- und Berufsausbildungsabschlüsse.

Leider müssen wir auch  Frauen abweisen, weil wir voll belegt sind, sie vertrösten oder an andere Frauenhäuser verweisen.

Weil Frauen obdachlos, suchtabhängig oder psychisch krank sind – und obwohl auch bedroht und misshandelt – können wir sie in der Regel nicht aufnehmen – denn für diese Problematiken sind wir personell eigentlich nicht gerüstet. Hier müssten dringend andere neue konzeptionelle Wege beschritten werden.

Dennoch nehmen wir vermehrt psychisch stark belastete bis kranke Frauen auf – obwohl es uns personell fordert und ihre Betreuung mehr Zeit in Anspruch nimmt  - aber wo sollen sie sonst hin, wenn sie auch von häuslicher Gewalt betroffen sind.

Die Kinder der von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen sind schon lange ein zentraler Schwerpunkt unserer Arbeit und Zuwendung. Denn sie sind immer mitbetroffen, gleich ob selbst misshandelt oder als Augen- und Ohrenzeugen.  

Sie leiden mit, sind unschuldig an der elterlichen Krise und fühlen sich doch oft schuldig, zeigen körperliche und seelische Verletzungen und Verhaltensauffälligkeiten als Folge, sind traumatisiert.

Ihnen gilt im Frauenhaus unsere besondere Aufmerksamkeit, denn sie sind unsere Zukunft und sollen doch später nicht selbst Opfer oder Täter werden.

Wir haben in den 30 Jahren unseres Bestehens erschütternde Lebensgeschichten gehört und schlimme Verletzungen an Körper und Seele gesehen – die Folgen physischer und psychischer Misshandlungen miterlebt.

Aber wir haben auch gesehen, wie Frauen und Kinder wieder anfingen, sich zu erholen, Kräfte sammelten, sich auf eigene Füße stellten und ihr Leben in die eigenen freien Hände nahmen.

Wir haben spannende Entwicklungen mitverfolgt, wie auch Rückschläge und 2. Anläufe, kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Frauen aller Bevölkerungsgruppen und Kulturen erlebt. Es wurden Freundschaften geschlossen, die Solidarität und Hilfe untereinander ist immer wieder beeindruckend.

Kinder haben bei uns laufen gelernt oder ihre ersten Worte geplappert, haben neue Freunde gefunden, konnten mal wieder friedlich durchschlafen und unbeschwert spielen und lachen.

Wir haben auch Freude und Spaß miteinander – denn, wenn die Gewalt aufhört, kommt auch das Lachen wieder zurück!

Und wir haben heute noch Kontakt zu zahlreichen Frauen, die einmal bei uns gewohnt haben – entweder, weil sie hin und wieder noch Hilfe benötigen, die sie sich dort holen, wo sie schon einmal Hilfe erhalten und ihr Herz ausgeschüttet haben, oder sie kommen uns aus alter Verbundenheit einfach nur besuchen und erzählen, wie es ihnen weiter ergangen ist.

Neben der zentralen Arbeit mit den Frauen und Kindern ist die Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit ein wichtiger Bestandteil in unserem Bemühen, gegen Häusliche Gewalt vorzugehen. Wir sind eingebunden in Arbeitskreise und in die Interessenvertretungen der Frauenhäuser auf Landes-und Bundesebene und wir haben in Krefeld ein hoch effizientes und gut funktionierendes Netzwerk gegen Häusliche Gewalt mitbegründet und mitgestaltet.        

Und so ist es uns nun gelungen, eine eigene Ausstellung „auf die Beine zu stellen“ – ein Kraftakt, der sich – wie wir glauben – gelohnt hat.

Wir wollen mit der Ausstellung auch bildlich darstellen und einen Einblick davon geben, was in den sogenannten privaten 4 Wänden – unter Ausschluss der Öffentlichkeit – passieren kann,  gegenüber Frauen, die draußen verstecken, was ihnen geschieht,  von Männern, denen man meist nicht zutraut, dass sie Zuhause Schläger und Misshandler sind – außerhalb der 4 Wände oft als nett und durchaus sympathisch erscheinen.      

Lassen Sie auf sich wirken, was sie sehen, von dem Sie vielleicht nie etwas hören oder bemerken.

Abschließend möchten wir unseren großen Dank an alle aussprechen, die uns mit finanziellen, materiellen und ideellen Spenden und Hilfen immer tatkräftig unterstützen.

Unser Dank gilt auch der Stadt Krefeld, die zu uns steht und unsere Arbeit wertschätzt!  

Der Einsatz zahlreicher engagierter Helfer und ehrenamtlicher Protagonisten haben unsere Ausstellung erst möglich gemacht. Allen voran die Darsteller und der Fotograf Dimi Anastasakis, die die sehr realistischen Szenen unserer Bilder auf eindrucksvolle Weise erlebbar machen und dem Veranstaltungsunternehmen Unlimited Service. Die Ausstellung ist ab dem 01.10.2012 für sechs Monate in der SkF-Geschäftsstelle, Blumenstraße 17-19 in 47798 Krefeld in den Öffnungszeiten zu besichtigen.

Nicht zu vergessen außerdem unsere ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen, die seit vielen Jahren zuverlässig und kompetent nächtliche Rufbereitschaften übernehmen.

Vielen Dank!

 

gez. Frau Martina Müller –West

Leiterin SkF Frauen- und Kinderschutzhaus

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